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Resümee zum „Tag der älteren Generation“ 2026

Von Sabine Meyer

Wer mich kennt, weiß, dass ich mich immer wieder gern zu meinen Arbeitsthemen äußere. Mit meiner langjährigen Erfahrung bieten sich bestimmte Auseinandersetzungen und Beobachtungen geradezu an. Seit über 25 Jahren lebe ich in Weimar, habe mich in verschiedensten sozialen Bereichen weitergebildet, zahlreiche praktische Einblicke gewonnen und schließlich auch ein Studium absolviert.

Was mich dabei stets begleitet hat, sind die Belange älterer Menschen, insbesondere hochaltriger Personen, die weiterhin in ihren eigenen vier Wänden leben möchten. Genau dieses Thema bildet seit mittlerweile mehr als 15 Jahren auch meinen beruflichen Schwerpunkt.

In dieser Zeit habe ich mehrere Hundert Senior*innen zu Hause besucht, viele zur Beratung empfangen und weit über 800 weitere telefonisch begleitet. Tatsächlich führe ich erst seit einem Jahr eine Strichliste. Doch Zahlen allein sagen wenig über die Lebensgeschichten aus, die mir anvertraut werden. Ehrlich gesagt vermute ich, dass die Zahl der Kontakte deutlich höher liegt, als ich selbst einschätze.

Weimar besitzt eine große Anziehungskraft für Menschen im Ruhestand. Gleichzeitig ziehen viele Familien aus der Stadt weg. Zurück bleiben häufig ältere Menschen in oftmals zu groß gewordenen Wohnungen. Diese Beobachtung mache ich seit Jahren immer wieder.

Darin liegen Chancen, aber auch Herausforderungen. Neu zugezogene Senior*innen, die gerade in den Ruhestand eingetreten sind, finden in Weimar oft einen attraktiven Alterswohnsitz. Wenn es gelingt, in der Stadt anzukommen und soziale Kontakte aufzubauen, können daraus wertvolle nachbarschaftliche Beziehungen entstehen. Gleichzeitig verlassen viele Familien die Stadt, weil sie andernorts bessere berufliche oder persönliche Perspektiven sehen.

Zurück bleiben immer häufiger alleinstehende Senior*innen, oft über 80 Jahre alt, mitten in der Stadt und doch zunehmend isoliert. Wer sich in dieser Lebensphase zurückzieht, gerät schnell in Schwierigkeiten. Eine unglückliche Bewegung, ein Sturz, eine Krankheit und die gewohnte Selbstständigkeit steht plötzlich infrage.

Spätestens hier beginnt eine Problematik, die sich häufig kaum noch aufhalten lässt: Pflege. Für viele Betroffene gleicht das Hilfesystem einem undurchdringlichen Dschungel. Kaum jemand weiß, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt und an

wen man sich wenden kann. Bereits die Beantragung eines Pflegegrades stellt für viele alleinstehende ältere Menschen eine enorme Hürde dar.

Die Suche nach Hilfe entwickelt sich oft zu einem Marathon aus Telefonaten. Einer der ersten Anrufe führt nicht selten zu uns, denn WEIMARS GUTE NACHBARN, ein Projekt der Bürgerstiftung Weimar, steht bei vielen Pflegekassen auf den Empfehlungslisten. Dabei sind wir als Nachbarschaftshilfeprojekt eigentlich nur ein kleiner Baustein in einem viel größeren Unterstützungssystem. Trotzdem landen zahlreiche Erst-, Zweit- und Drittanfragen auf meinem Schreibtisch.

Ich höre zu. Ich erlebe Ahnungslosigkeit, Verzweiflung und Hilflosigkeit, aber auch Dankbarkeit. Häufig muss ich an andere Stellen weitervermitteln. Manchmal finden die Ratsuchenden einen Platz in unserem Projekt.

Dafür besuche ich sie in der Regel zu Hause und verschaffe mir ein Bild von ihrer aktuellen Lebenssituation. Oft betrete ich große Wohnungen, liebevoll und gemütlich eingerichtet, über Jahrzehnte gewachsen und mit vielen Erinnerungen verbunden. Gleichzeitig begegnen mir dort auch Stolperfallen und Barrieren, die im Alltag zum Problem werden können.

Über vieles wird nicht gern gesprochen. Doch häufig ist es vor allem die Einsamkeit, die belastet. Wenn Fernseher und Radio keine Gesellschaft mehr ersetzen können, wird die Stille in den eigenen vier Wänden zur Herausforderung.

In meiner Arbeit informiere ich über Möglichkeiten, wie der Rückzug vermieden und Selbstständigkeit möglichst lange erhalten werden kann. Selbstständigkeit und Kommunikation sind aus meiner Sicht zentrale Themen des Alters.

Seit August 2021 gibt es in Weimar den Pflegestützpunkt, der genau für diese Anliegen und die Vermittlung passender Unterstützungsangebote zuständig ist. Dennoch haben viele Weimarerinnen und Weimarer bis heute noch nie von diesem Angebot gehört. Dabei könnte vieles so viel einfacher sein.

Ein weiteres wichtiges Thema ist der Umgang mit digitalen Medien. Spätestens seit der Corona-Pandemie beschäftigt die Digitalisierung auch viele alleinlebende hochaltrige Menschen. Hilfe suchen, Hilfe finden, Informationen erhalten oder mit anderen in Kontakt bleiben – all das gewinnt zunehmend an Bedeutung. Doch das ist ein eigenes Thema, dem wir uns in der Bürgerstiftung Weimar ebenfalls bereits seit Jahren widmen.

So viel zu meinen Beobachtungen über die Situation unserer älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger in Weimar. Sie zeigen, wie wichtig Information, Unterstützung und vor allem menschliche Nähe im Alter sind. Gerade deshalb braucht es starke Netzwerke, niedrigschwellige Hilfen und Menschen, die hinschauen, zuhören und begleiten.

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Foto: Archiv WGN