Zusammen mit "Großem Bruder" bis zum Abitur

Stipendium ermöglicht Förderung begabter Kinder aus sozial schwachen Familien

Seit knapp einem Jahr ein Team: der 13-jährige Niklas Harnisch und Mentorin Rica Braune. Foto: Peter Michaelis

Von Matthias Benkenstein

Weimar/Jena. (...) Siebtklässler Niklas Harnisch aus Weimar gehörte im Sommer 2012 zu den 150 "Fairtalent"-Stipendiaten aus Hessen, Sachsen und Thüringen, die in der Dresdner Semperoper (...) "Die Konferenz der Tiere" aufführten. Für Niklas war es der Jahreshöhepunkt von "Fairtalent", dem Schülerstipendium der Roland-Berger-Stiftung, durch das der 13-jährige seit zweieinhalb Jahren gefördert wird.

(...) Zu den Auswahlkriterien gehörten auch für Niklas Begabung, Talent, soziales Engagement und soziale Benachteiligung: so ist der Vater alleinerziehend, seit Niklas' Mutter vor sechs Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam. (...)

"Für jeden Stipendiaten gibt es einen individuellen Förderplan". (...) Der Plan richte sich nach den jeweiligen Stärken und Schwächen des Schülers. Zentral ist auch, dass die Stipendiaten von ehrenamtlichen Mentoren begleitet werden. Diese fungieren als Mittler zwischen Elternhaus, Schule und Stiftung.

Niklas' Mentorin ist seit einem Jahr Rica Braune aus Weimar. Sie ist selbständige Personalentwicklerin und in der Weimarer Bürgerstiftung engagiert. Dort haben sie und ihr Mann auch von dem Stipendium erfahren. "Wir fanden das von Anfang an interessant", sagt sie.

Nachdem die heute 44-jährige Kontakt mit der Roland-Berger-Stiftung aufgenommen hatte, erhielt sie bald die erste Nachricht von Niklas in Form seines Bewerbungsaufsatzes. Darin stellte er sich und seine Lebensumstände, Träume und Wünsche vor; sein Berufswunsch ist beispielsweise Architekt, in der Schule ist er engagiert als Klassensprecher. Es folgte ein erstes Kennenlernen mit ihrem zukünftigen Schützling und dessen Vater am Nikolaustag 2011. "Das Verhältnis war gleich offen und herzlich."

Braune betont, dass es sich bei den Mentoren keinesfalls um Babysitter, Nachhilfelehrer oder Elternersatz handele. "Es geht eher darum, die Eltern zu unterstützen, ein offenes Ohr zu haben, auch ein Vorbild zu sein". So haben die beiden während des ersten Jahres Museen besucht, Ausflüge gemacht, ein Weihnachtsgeschenk für Niklas' Schwester besorgt und kürzlich ein Konzert besucht.

Dass die Roland-Berger-Stiftung noch Bedarf an ehrenamtlichen Mentoren hat, zeigte sich gerade erst beim feierlichen Jahresempfang in Jena, bei dem zehn neue Stipendiaten aus Thüringen zwischen 9 und 16 Jahren aufgenommen wurden. Projektleiter Daniel Seiferheld weist darauf hin, dass für die 50 Stipendiaten derzeit nur 30 Mentoren zur Verfügung stehen. 20 Kinder und Jugendliche befinden sich also bis auf Weiteres in der Warteschleife zum persönlichen Mentor. Seiferheld ruft die Thüringer auf, sich bei Interesse bei ihm zu melden. "Denn das Ziel ist ganz klar: Für jeden Stipendiaten einen Mentor."

Mentoren gesucht:
E-Mail: daniel.seiferheld[at]rolandbergerstiftung.org, Telefon 03641-2377977