Unentbehrliche Stiftung

Heute vor 10 Jahren: Weimarer Bürgerstiftung gegründet

Pressegespräch am 23.1. in der Bürgerstiftung. Foto: Stefanie Lachmann

Von Michael Helbing

Weimar. Ein Bankier war der Erste. Frederick Goff gründete 1914 in Ohio eine Stiftung von Bürgern für Bürger: die "Cleveland Foundation". Inzwischen gibt es weltweit 1700 Bürgerstiftungen. Erst 1997 erreichte die Idee Deutschland, gleichwohl liegen wir, der Initiative Bürgerstiftungen zufolge, nach den USA inzwischen auf Platz zwei.

Das liegt wohl daran, dass Städte mit sogenannten freiwilligen Aufgaben immer mehr überfordert sind. "Jetzt ist es Zeit", dachte sich 2003 Doris Elfert, denn damals wurden Stadt- und Bienenmuseum geschlossen. Und als die Stadt zwei Jahre später die Mittel für die Kinder- und Jugendarbeit um ein Viertel kürzte, war es wieder Zeit. Der Arzt Julius Michael Curtius brachte den Kinder- und Jugendfonds auf den Weg. Die Stiftung folgt sozusagen dem Gedanken von Bankier Goff, den Vorstadsschefin Doris Elfert als Demokratie von unten beschreibt. Es geht um Selbsthilfe und Eigenverantwortung.

Nach zehn Jahren lässt sich festhalten: Die Bürgerstiftung hat sich unentbehrlich gemacht. Aus 27 Stiftern sind mittlerweile vier Mal so viele geworden. Das Startkapital von 35.000 Euro hat sich versechsfacht.

Die Stiftung richtete eine Ehrenamtsagentur ein, die an gemeinnützige Einrichtungen vermittelt. Zudem organisierte sie Freiwilligentage und den Marktplatz, auf dem Vereine und Unternehmen miteinander bargeldlose Geschäfte eingingen. Der Markt wird jetzt auf Eis gelgt, weil er vorerst ausgereizt scheint.

Ältere Weimarer könnten für "Großelterndienste" in Familien gewonnen werden. Indes das Projekt "Weimars Gute Nachbarn" Begleiter für einsame und kranke Senioren zu finden hilft.

Für den Weimarer Ferienpass wurde über eine Tombola beim DNT Opernball stets ein Viertel der Kosten eingespielt. Selbiges soll am 28. Februar bei der Festsitzung des Handwerker Carneval Vereins gelingen.

Ein weinig zu schaffen macht der Stiftung die Zinsentwicklung. Dabei ist man mit 2,5 bis 5,5 Prozent noch gut dabei. Die Bürgerstiftung setzt seit 2013 verstärkt aufs Spendensammeln - und wirbt trotzdem weiter um Zustifter. Schon mit 100 Euro kann jeder einsteigen, wenn's sein muss, auch in Raten.