Schneeweiß gespeist

An was dürften diejenigen gedacht haben, die zufällig den Goetheplatz passierten? An einen Sommerausflug einer geschlossenen Abteilung. An eine Hochzeit? Oder etwa an Roy Black? Die Bürgerstiftung Weimar und der Verein Grüne Wahlverwandtschaften luden am Samstag zu einem Diner Blanc ein, wobei tatsächlich etwa 80 Frauen, Männer und Kinder erschienen: Fast alle ganz in Weiß, mit zubereiteten Speisen für sich, Freunde und Freundesfreunde sowie Stühlen und Tischen. Einzig Temperaturen, die einen frösteln ließen, verhinderten einen perfekten Abend.

 

Die Dinierenden mussten wirklich an vieles denken: An die Tafel, weiße Tischdecken, die Kerzen, das Besteck und an die Speisen, die mal mehr, mal minder aufwändig zubereitet wurden. Mal stand der Käseteller zwischen Mann und Frau, mal war es das Drei-Gang-Menü mit Salat, Filet mit Pilzen und Kartoffeln sowie Nachtisch, wobei die warmen Teile in einer Thermobox transportiert wurden. Die ersten Tische wurden am Niketempel aufgebaut, die letzten standen auf Höhe des Balkons des mon amis.

Es oblag der Vorstandsvorsitzenden der Bürgerstiftung, Doris Elfert, und dem Vorsitzenden der Wahlverwandtschaften, Bernhard Post, die Diner-Gäste zu begrüßen. Beide waren natürlich ganz in Weiß gekleidet, wobei auf vielen Klapptischen auch der Blumenstrauß und das Windlicht nicht fehlten. Und Bernhard Post trug gar einen weißen Smoking samt weißer Fliege, der ihn trotz der weißen Turnschuhe mit schwarzen Streifen zum bestgekleideten Mann avancieren ließ. Die Frauen waren wie immer schön. Und profitierten davon, dass die Damen des Modetheaters "Gnadenlos schick" nicht nur posierten, sondern sich gar dazusetzten.

 

Nur "Vatel", ein Film, der unter anderem die aristokratische Völlerei im Frankreich des 17. Jahrhunderts zeigt, wurde zu später Stunde angesichts der niedrigen Temperaturen nicht im Freien, sondern im ami-Kino gezeigt. Die Idee des "Diner Blanc" kommt natürlich aus Frankreich und garantiert derzeit mehr Spaß als das Gekicke der Équipe Tricolore. Alles begann 1988, als ein gewisser Francois Pasquier seine private Gartenparty aus Platzmangel spontan in den nahegelegenen Bois de Boulogne verlegte. Das zumindest behaupten die Franzosen. Heute verabreden sich Tausende in Paris zum weißen Diner, wobei der Ort bis zuletzt geheim gehalten wird und ein erlesener Kreis von Gästen per SMS benachrichtigt wird. Auch Weimar wird eine Fortsetzung erleben, versprachen Elfert und Post.