189 gute Geschäfte

"Marktplatz" der Bürgerstiftung war gestern Abend so erfolgreich wie noch nie

Er war so vielfältig wie nie und so erfolgreich wie nie: Die Sparkasse am Graben war am Mittwoch, dem 16. März, der "Marktplatz der guten Geschäfte" für die Weimarer Bürgerstiftung.

Wer hat einen Multicar, einen Bagger oder Veranstaltungstechnik, Planungshilfe beim Spielplatzbau, Briefumschläge oder Stimmbildung nebeneinander im Angebot? Wo werden gleichzeitig Umzugshilfen, Kinderprogramme, Räume für kleine Konzerte oder Hausmeisterdienste gesucht? – Beim Marktplatz der guten Geschäfte in Weimar. Zum vierten Mal lud die Bürgerstiftung gestern auf diesen besonderen Markt. Nach der VR Bank im Vorjahr stellte diesmal die Sparkasse dafür ihre Kundenzentrale.

 

Ausgerechnet eine Bank für geldlose Geschäfte? Sparkassenvorstand Hans-Georg Dorst wollte sich auf dieses Glatteis nicht begeben: "Es geht ums Geben und Nehmen, Geld ist heute tabu." Und so gehörten Sparkassen- und VR-Bank-Mitarbeiter wie der Citymanager oder der Vereinsberater des Stadtsportbundes zum Team der Makler und Experten. Sie brachten mit ihrem Wissen um Weimar auf dem Marktplatz der guten Geschäfte Bietende und Suchende zusammen.

 

Insgesamt 30 gemeinnützige Vereine und Einrichtungen sowie 30 Unternehmen, vom Freiberufler über die Stadtwerke bis zu Reproplan, kamen miteinander ins Geschäft. Gehandelt wurden Technik, Werkzeug, Möbel, Bauleistungen, Fahnenmasten, Knopfsammlungen, Tänzer, aber auch Praktikumsplätze. Die Wohnstätte etwa vereinbarte Stimmbildung für Mitarbeiter und Schaufenster-Deko mit dem Sozialkaufhaus. Die Diakonie-Kunstwerkstatt fand beispielsweise alte Bilderrahmen bei der Sparkasse, auch wenn Schirmherr Dorst die eigene Teilnahme an einem Malkurs ablehnte: "Die Gruppe für Talentfreie gibt es sicher nicht." Weil Marktplatz-Moderator Paul-Andreas Freyer nicht nur Gesicht und Stimme beim mdr ist, sondern auch Vorsitzender des Falk-Vereins, sah er schnell die Parallele zu Johannes Falk, dessen Denkmal vor der Sparkasse steht. Vor 200 Jahren gründete er die Gesellschaft der Freunde in der Not, für die es nach den napoleonischen Kriegen viel zu tun gab: Dem Bauern fehlte Saatgut, den Waisen die Familie, Handwerkern die Bürgen.

 

Ganz so existenziell wurde es gestern nicht. Unterm Strich aber wurden auf dem "Marktplatz" 189 Vereinbarungen getroffen. Seit dem ersten Markt sind damit mehr als 500 solcher Tauschgeschäfte abgeschlossen worden. Dennoch soll der Marktplatz im kommenden Jahr pausieren: Der Fünfte findet 2013 statt.