VR Bank Weimar gibt Sarah eine zweite Chance auf dem Eis

Bürgerstiftung Weimar sucht weiter Paten für die Elfjährige. Genossenschaftsbank übernimmt die Hälfte der Kosten. Thüringer Allgemeine Zeitung berichtet.

Die elfjährige Sarah* aus einer Wohnstätte des Lebenshilfewerkes Weimar/Apolda kann ihr Eiskunstlauftraining in Erfurt fortsetzen.

Weimar. Kann Sarah* weiterhin am Eiskunstlauf-Training in Erfurt teilnehmen? Beinahe hätte die Bürgerstiftung die Frage mit Nein beantworten müssen. Denn die öffentliche Suche nach Paten für die Elfjährige aus einer Wohnstätte des Lebenshilfewerkes Weimar/Apolda brachte zunächst keinen Erfolg.

Seit 2009 lebt Sarah in der Wohnstätte an der Tiefurter Allee. Sie ist sehr fantasievoll und wissbegierig. Neben ihrer geistigen Behinderung hat sie aber große Probleme im sozio-emotionalen Bereich. Durch Kontakte zum Verein Special Olympics wurde die Aufnahme in eine Trainingsgruppe für Eiskunstlauf in Erfurt für Sarah möglich. Nach erfolgreichen Schnuppereinheiten begann Sarah Ende 2017 mit dem Training im Eissportzentrum Erfurt. Sie trainiert wöchentlich montags. Binnen eines Jahres kommen so 30 Trainingseinheiten zusammen.

In Herrn Mohnhaupt hat Sarah einen ehrenamtlichen Partner. Er fährt mit ihr ins Eissportzentrum und begleitet das Mädchen vor Ort. Dennoch fallen inzwischen Kosten an, die erstattet werden müssen. 1360 Euro sind es im Jahr. Dafür sucht der Kinder- und Jugendfonds der Bürgerstiftung einen oder auch mehrere Paten. Der Fonds hat für die Zeit der Patensuche die nötigen Zahlungen geleistet.

Im Vorstand der VR Bank Weimar traf Doris Elfert, die Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung, auch auf Verständnis dafür, dass jetzt eine Entscheidung über das Training von Sarah getroffen werden muss. Deshalb übernahm die Bank die Hälfte der anstehenden Kosten, obwohl eigentlich die Spendenmittel der Genossenschaftsbank bereits „verplant“ sind.

 „Ich bin den Herren Manfred Roth und Martin Wagner sehr dankbar für das Verständnis, das sie für unsere Situation aufbringen“, sagt Doris Elfert erleichtert über den Zeitgewinn. „Umso mehr hoffen wir auf eine erfolgreiche Patensuche.“

Der Verein Special Olympics bietet speziell angepasste Trainingseinheiten und Wettkampfmöglichkeiten für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Er ermöglicht es Sarah, wöchentlich am Training im Eissportzentrum in Erfurt teilzunehmen. Nach dem Training im Ballettsaal, bei dem der körperliche Ausdruck und verschiedene Bewegungsabläufe geschult werden, trainiert sie regelmäßig auf dem Eis und kann später vielleicht sogar erfolgreich an Wettkämpfen im Einzel- und Paarlaufen teilnehmen.

Durch das Training und das Erlernen der Sportart wird neben Motorik und Körpergefühl vor allem das Selbstbewusstsein von Sarah gestärkt. Sie erlebt durch das Training in der Gruppe Zugehörigkeit und Gemeinschaftsgefühl auch außerhalb ihrer Wohngruppe oder der Schule. Sie erfährt Anerkennung für sportliche Leistungen und lernt, sich konstant für eine Aktivität zu begeistern. Im Paarlauf-Training lernt Sarah, sich auf ihren Eislaufpartner einzulassen. Das Vertrauen in andere Menschen wird gestärkt. Der Umgang mit Misserfolgen soll durch das Training geübt und Verhaltensweisen in den Alltag übertragen werden.

Die Spenden der Paten fließen über den Kinder- und Jugendfonds der Bürgerstiftung. Spendenkonto Bürgerstiftung Weimar; IBAN: DE27 8205 1000 0600 0881 11; BIC: HELADEF1WEM; Sparkasse Mittelthüringen. Rückfragen an Doris Elfert, Vorstandsvorsitzende Bürgerstiftung (Tel.: 0174 / 1 42 82 59).

* Name geändert

Michael Baar / 25.04.18